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Tiere | Insekten | Schmetterlinge
Beiträge: | Klimawandel bedroht Europas Tagfalter | Wo sind die Schmetterlinge geblieben? | Das Jakobs-Kreuzkraut Senecio jacobaea
 

Klimawandel bedroht Europas Tagfalter
UFZ und NABU stellen neuen europäischen Klimaatlas der Schmetterlinge vor

Von Uwe Manzke

Hannover, 16.12.2008  Europas Tagfalter sind durch den Klimawandel ernsthaft bedroht. Allein für den Aurorafalter gilt, dass er unter heutigen Bedingungen im Jahr 2080 über 85 Prozent seines Lebensraumes verlieren könnte. Dies zeigt der der kürzlich erschienene Klimaatlas der europäischen Tagfalter.

Der neue Klimaatlas der Tagfalter Europas („Climatic Risk Atlas of European Butterflies“) zeigt einen deutlichen Trend der Verschiebung der Vorkommen vieler eurpäischer Arten nach Norden. Ein Szenario mit einer relativ geringen durchschnittlichen Temperaturerhöhung um 2,4 Grad Celsius würde den Verlust von über 50 Prozent des derzeitig geeigneten Areals für 147 Arten nach sich ziehen. Bei einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 4,1 Grad Celsius bis 2080 („worst-case scenario”), würden für 70 der rund 300 untersuchten Arten über 95 Prozent des derzeitig geeigneten Klimaareals verschieben, ohne dass diese den Veränderungen hinterher wandern könnten.

Schmetterlinge haben durch die Zerstörung von Lebensräumen und durch Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten bereits starke Verluste hinnehmen müssen. Diese nach wie vor anhaltende Gefährdung wird nun durch die klimatischen Risiken noch verstärkt. „Die Art und Weise, in der Tagfalter betroffen sind, gibt uns gute Anhaltspunkte darüber, wie auch viele andere Insekten reagieren dürften – und Insekten machen nicht nur zwei Drittel aller Artenvielfalt aus, sondern sind beispielsweise auch unverzichtbar für erfolgreiche Landwirtschaft”, betonte der federführende Autor des Atlasses, Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Der Tagfalter-Klimaatlas basiert auf der Arbeit von zahlreichen Wissenschaftlern aus ganz Europa. Der Klimaatlas zeigt aber auch den großen wissenschaftlichen Wert ehrenamtlich erhobener Daten, sind sich UFZ und NABU einig. Der größte Teil der für die Modellierung und Beurteilung der Auswirkungen von Zukunftsszenarien auf die Tagfalter verwendeten Daten aus Deutschland wurde durch die Bundesarbeitsgemeinschaft Schmetterlinge des NABU erhoben, dem neben dem vom UFZ betriebenen „Tagfalter-Monitoring Deutschland“ (TMD) größten deutschen Netzwerk ehrenamtlicher Schmetterlingsforscher.

 

 

NABU über "Schmetterlingsnotstand" in Garbsen und der Region besorgt
Wo sind die Schmetterlinge geblieben ?
In diesem Jahr sind auffallend wenig Schmetterlinge und Hummeln zu beobachten

Von Waldemar Wachtel und Uwe Manzke

pic Garbsen/Hannover, 04.08.2008  Für viele fast unmerklich sind in diesem Jahr erschreckende Rückgänge von heimischen Schmetterlingen zu verzeichnen. Dies gilt auch für andere Insekten, zum Beispiel Hummeln.

Der erste Vorsitzende des NABU Garbsen und des Regionalverbandes Hannover Waldemar Wachtel stellt dies im eigenen Blütengarten und durch viele besorgte Anrufe Garbsener Bürger fest. Bisher regelmäßig zu beobachtende Arten wie der Kleine und der Große Fuchs und das Tagpfauenauge sind in diesem Jahr nur wenig zu finden. Auch Wanderfalter, wie der Admiral scheinen seltener geworden zu sein.

Waldemar Wachtel zählte in seinem Garten in Altgarbsen seit vielen Jahren regelmäßig 80 bis 120 Schmetterlinge der genannten Arten. In diesem Jahr waren es bisher nur acht Schmetterlinge. Wachtel führt diesen dramatischen Rückgang heimischer Schmetterlinge und anderer Insektenarten auf den rücksichtslosen Einsatz von Bioziden, das häufig flächendeckende Abmähen von Ackerrandstreifen, Weg- und Straßenrändern zurück.

pic Wachtel appelliert an Kommunen, Landwirte und auch private Gartenbesitzer sorgsamer mit Herbiziden und Pestiziden umzugehen, die Mähhäufigkeit zu über- prüfen und diese erst in der zweiten Jahreshälfte durchzuführen. Brennnesseln beispielsweise sind wichtige Wirts- und Nahrungspflanzen für unsere heimischen Schmetterlinge. Jeder Gartenbesitzer kann dazu beitragen und den heimischen Schmetterlingen eine Überlebenschance bieten. Voraussetzungen hierfür sind, in einem Bereich des Gartens eine gewisse Verwilderung mit Brennnesseln, Disteln und anderen Wildkräutern als Wirts- pflanzen für die Raupen der Schmetter- linge zuzulassen. Desweiteren kann die Pflanzenwahl in den "gepflegten und gärtnerisch gestalteten" Bereichen des Gartens zum Schmetterlingsschutz beitragen. Empfohlen werden hier Pflanzen, die unseren heimischen Arten sehr nahe stehen, wie Primeln, Nelkenwurz, Habichtskraut, Eisenhut, Astern, Glockenblumen und Margeriten.

Gleichfalls ist die Bereitstellung von Nektarpflanzen für die Falter sehr wichtig. Hierzu zählen auch Zierpflanzen, wie der Schmetterlingsstrauch Buddleia davidii, den es in verschiedenen Farben gibt. Der Duft ist für Insekten und Menschen gleichermaßen betörend. Weiterhin zu nennen sind Geißbart, Flockenblumen, Nelken und die Purpur-Fetthenne.

Der NABU Garbsen interessiert sich für die Beobachtungen der Garbsener Bürger. Teilen sie dem NABU Ihre Beobachtungen mit, Tel.: 05137 / 87 79 975 oder unter der Mail: w.wachtel(at)onlinehome.de.

Literatur-Tipp:
  Die Schmetterlingsfauna des mittleren Niedersachsens von Ulrich Lobenstein
         mit vielen Tipps und Anregungen zur Schmetterlingsbeobachtung und
         zum Schmetterlingsschutz.

Lesen Sie bitte auch unseren Beitrag zum Jakobs-Kreuzkraut.

 

 

Ein Kraut macht von sich reden
Das Jakobs-Kreuzkraut Senecio jacobaea
Das Kraut besitzt giftige Alkaloide, dies rechtfertigt aber keine flächendeckende Bekämpfung

Von Waldemar Wachtel und Uwe Manzke

pic Garbsen/Hannover, 01.08.2008  In der Leinezeitung (LZ) wurde auf die möglichen Gefahren und Probleme des Jakobs- Kreuzkrautes (auch Jakobs-Greiskraut) hingewiesen. Insbesondere bei einer Wiesen- oder Weidenutzung kann das Jakobs-Kreuzkraut Nutztieren gefährlich werden. Dies gilt auch bei einer Heu- und Silagenutzung.

Zur Eindämmung dieses Wildkrautes, wie von einigen Lesern der LZ gefordert, kann allerdings nicht die Stadtverwaltung Garbsen oder eine andere Kommune verantwortlich gemacht werden. Vielmehr sind die Grundstücksbesitzer und wirt- schaftenden Landwirte in ihrer Verant- wortung für die Gesundheit der Nutztiere und Pensionspferde gefordert. Dies tun allerdings vor allem die Landwirte schon lange, und "nicht erst seit gestern". Insbesondere für unerfahrene Jungtiere stellt die Pflanze im Rosettenstadium eine mögliche Gefahr dar.

pic Flächendeckendes, zu frühes und mehr- faches Mähen, insbesondere bei dem Bewuchs von nur sporadisch auftretenden Kreuzkräutern, sieht Waldemar Wachtel, erster Vorsitzender des NABU Garbsen und des Regionalverbandes Hannover, sehr kritisch. Das Jakobs-Kreuzkraut ist keine neu eingewanderte Art und gehört zu unserer heimischen Natur und ihrer schützenswerten Vielfalt. Dies ist auch im Niedersächsischen Naturschutzgesetz verankert.

pic Das Jakobs-Kreuzkraut spielt im Natur- haushalt eine wichtige Rolle und ist für nektarsuchende Wildbienen und Schmetterlinge eine wichtige Futterpflanze. So konnte Dr. Peter Sprick (BFA Ento- mologie) am Jakobs-Kreuzkraut mindes- tens elf Falterarten, unter anderem den Kleinen Fuchs, den Kl. Feuerfalter, das Tagpfauenauge, den Kohlweißling, den Gemeinen Bläuling und das Ochsenauge, beobachten. Aber auch dem Laien unbekannte Arten wie Schwarzkolbiger Dickkopffalter, Erdeichel-Widderchen, Gemeine Stengeleule und Trockenrasen- Graswurzeleule nutzen das Jakobs-Kreuzkraut in der Region Hannover als Nektarpflanze.

pic Am bekanntesten dürfte der Jakobskraut- bär (auch: Karmin-, Blutbär) Thyria (Hippocrita) jacobaeae mit seinen auffälligen Raupen sein. Die Raupen dieses "Bären" ernähren sich fast ausschließlich vom Jakobs-Kreuzkraut und nehmen die giftigen Alkaloide der Pflanze auf. Dies macht sie zum Beispiel für Vögel ungenießbar. Der Jakobskrautbär ist heutzutage eine seltene Schmetterlingsart und wird in der Roten Liste der Schmetterlinge Niedersachsens als stark gefährdete Art (RL 2) geführt. Die Gefährdung beruht vor allem in der Ver- änderung der Lebensräume wie Vernichtung von Brachen, künstliche Begrünung von Böschungen, Rekulti- vierung von Bodenentnahmestellen und zweckfremde Nutzung von Wegrainen, oft Lebensräume des Jakobs-Kreuzkrautes.

pic Aber nicht nur der Jakobskrautbär benötigt das Jakobs-Kreuzkraut als Wirtspflanze. Einige spezialisierte Blattkäfer (Chryso- melidae) aus der Unterfamilie der Erdflöhe (Alticinae) leben auf dieser Pflanze. So ist Longitarsus jacobaeae häufig vor allem auf den Rosetten im Spätsommer/Herbst zu finden. Seit kurzem ist Longitarsus dorsalis vom Rhein im Rahmen der Klimaänderung in Niedersachsen neu eingewandert. Diese kleinen Blattkäfer nutzen die Giftstoffe der Pflanze (vor allem Senecio-Alkaloide bzw. Pyrrolizidin- alkaloide) zu ihrem eigenen Schutz. Sie können sich aber auch durch ihr außerordentliches Sprungvermögen in Sicherheit bringen.

Wachtel schlägt daher die Nennung einer Kontaktperson und ein Informationstelefon in der Stadtverwaltung für besorgte aber weniger bewanderte Bürger vor, um diese bei Fragen zum Jakobs-Kreuzkraut gezielt zu beraten.

 


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