Naturschutz aktuell NABU-Pressedienst Regionalverband Hannover

20.06.2007

Den Insekten zugeschaut - der Klimawandel ist sichtbar
Viele neue Arten in der Region Hannover gesichtet

Hannover, 20. Juni 2007 --- reg_07/07 – NABU Pressedienst Regionalverband Hannover

Der NABU Regionalverband Hannover möchte auf einige aktiv eingewanderte "Neubürger", beispielsweise unter den flugtüchtigen Libellen hinweisen. Im Rahmen des Kleingewässerschutzprojektes "Ein König sucht sein Reich" kartiert der NABU neben den Amhibien auch Libellen an den Gewässern in der Region Hannover.

Seit Anfang der 1990er Jahre sind überall starke Veränderungen infolge der Klimaerwärmung zu beobachten. Besonders in der Insektenwelt hat sich einiges getan. Seit Anfang der 1990er Jahre werden zunehmend "gebietsfremde" Arten, beziehungsweise sogenannte "Vermehrungsgäste" gesichtet und dokumentiert.

In diesem Jahr wird an sehr vielen Gewässern die Frühe Heidelibelle Sympetrum fonscolombii festgestellt. Die Frühe Heidelibelle ist ein ursprünglich mediterranes Faunenelement, das bisher nur gelegentlich als Vermehrungsgast in Deutschland - vor allem im Süden - auftrat. Die ersten Nachweise dieser wärmeliebenden Art in der Region Hannover gelangen 2003. Seit Mitte Mai diesen Jahres ist die Frühe Heidelibelle eine häufig zu beobachtende Libellenart. Bevorzugt werden Stillgewässer mit unbewachsenen Uferzonen und neuangelegte Gewässer im Pionierstadium. Auffalllend sind insbesondere die rotgefärbte Aderung der Flügel und die oberseits rot und unterseits blau gefärbten Augen. Ihr Aussehen ähnelt stark einem weiteren Neubürger, der Feuerlibelle Crocothemis erythraea. Die Feuerlibelle stammt gleichfalls aus dem Mittelmeerraum und ist erst in den letzten Jahren im Raum Hannover aufgetaucht.

Die deutschen Namen einiger Neubürger verdeutlichen die derzeitigen Einwanderungen und Ausbreitungstendenzen bei den Libellen: "Südliche Binsenjungfer", "Südliche Mosaikjungfer", "Westliche Keiljungfer", "Asiatische Keiljungfer" und "Südlicher Blaupfeil".

Insgesamt sind seit Anfang der 1990er Jahre mindestens neun "neue" Libellenarten in der Region Hannover gesichtet worden. Hinzu kommt das vermehrte Auftreten von mindestens sechs weiteren, wärmeliebenden Arten, die in der Vergangenheit nur gelegentlich zu beobachten waren. Alle Arten pflanzen sich in der Region Hannover fort.

Neben den Libellen sind viele weitere "neue" Insektenarten auf dem Vormarsch, zum Beispiel die wärmeliebende flugtüchtige Langflügelige Schwertschrecke Conocephalus discolor, die erstmalig 2005 in Langenhagen nachgewiesen wurde oder die mittlerweile fast "allgegenwärtige" mediterrane Streifenwanze Graphosoma lineatum.

Der Klimawandel ist da, ist sichtbar und gegenwärtig.





Tabelle:
Artenliste "neuer" (N) und zunehmend (Z) häufig beobachteter Libellenarten in der Region Hannover seit den 1990er Jahren, bei einigen Arten ist der tatsächliche Status zur Zeit nicht bekannt (?) (Stand: Juni 2007):

    Kleinlibellen / Zygoptera
  • Lestes barbarus  Südliche Binsenjungfer Z
  • Sympecma fusca  Gemeine Winterlibelle Z
  • Ceriagrion tenellum  Späte Adonislibelle Z ?
  • Cercion lindeni  Pokal-Azurjungfer N
  • Erythromma viridulum  Kleines Granatauge Z

  • Großlibellen / Anisoptera
  • Aeshna affinis  Südliche Mosaikjungfer N
  • Anaciaeschna isosceles  Keilflecklibelle N ? (evtl. früher übersehen ?)
  • Anax parthenope  Kleine Königslibelle N
  • Gomphus vulgatissimus  Gemeine Keiljungfer Z
  • Gomphus pulchellus  Westliche Keiljungfer Z (seit den 1980er Jahren bekannt)
  • Gomphus flavipes  Asiatische Keiljungfer N
  • Ophiogomphus cecilia  Grüne Keiljungfer Z
  • Somatochlora flavomaculata  Gefleckte Smaragdlibelle N ?(evtl. früher übersehen ?)
  • Orthetrum coerulescens  Kleiner Blaupfeil N
  • Orthetrum brunneum  Südlicher Blaupfeil N
  • Crocothemis erythraea  Feuerlibelle N
  • Sympetrum fonscolombii  Frühe Heidelibelle N
  • Sympetrum pedemontanum  Gebänderte Heidelibelle N
  • Leucorrhinia pectoralis  Große Moosjungfer Z ?

Beobachter: Markus Fietz, Birgit Gast, Eckhardt v. Holdt, Uwe Manzke, Klaus-Peter Pryswitt, Michael Schmitz, Torsten Spengler.



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Weitere Informationen:

Beitrag hierzu auf den Seiten des NABU Regionalverbandes:
http://www.nabu-regionhannover.de/experten/libellen_02.html#libellen_klimawandel

Ein König sucht sein Reich - Das Artenhilfs- und Kleingewässerschutzprogramm des NABU in der Region Hannover:
http://www.laubfrosch-hannover.de/

Im Jubiläumsheft des NABU Hannover (HVV 2006) finden Sie einen ausgezeichneten Beitrag von Eckhard von Holdt über die Libellen im Raum Hannover:
http://www.nabu-regionhannover.de/literatur.html#hvv

Seminar über Neobiota auf Gut Sunder vom 30.06. - 01.07.07:
http://www.nabu-gutsunder.de/seminare.php#monat_06

NABU Projekt Natur im Klimawandel:
http://www.nabu.de/m06/m06_12/.



Für mögliche Geländetermine stehen nach Absprache zur Verfügung:

  • Hannover, Laatzen:
         Eckhardt von Holdt; Tel. 0511 / 213 50 99, ecvoho(at)t-online.de
  • Calenberger Land, Burgdorf, Burgwedel, Langenhagen, Wedemark :
         Uwe Manzke; Tel. 0511 / 55 47 651, laubfrosch-hannover(at)gmx.de
  • Garbsen, Neustadt, Seelze und Wunstorf:
         Klaus-Peter Pryswitt; Tel. 05032 / 96 45 25, K-P.Pryswitt(at)freenet.de

  • Kontakt für diese Pressemitteilung und Anfrage nach Pressefotos:
    Uwe Manzke
    Kapellenstr. 19
    30625 Hannover
    Tel. 0511 / 55 47 651
    E-Mail: u.manzke@laubfrosch-hannover.de




    Herausgeber: NABU Regionalverband Hannover (Naturschutzbund Deutschland e.V.) 30802 Garbsen
    Redaktion: NABU-Pressestelle Regionalverband Hannover, Uwe Manzke (verantwortlich)
    Tel. 05 11 / 55 47 651 | E-Mail: u.manzke@laubfrosch-hannover.de



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